Brände im mittelalterlichen Gotha

Ernst der Fromme (1601-1675), Herzog von Sachsen-Gotha, veranlasste am 3.Oktober 1651 die erste Feuerordnung für die Stadt Gotha und das Umland. Schriftlich wurde festgelegt, dass bei wahrgenommenem Feuer sofort »Geschrei" zu machen sei, ansonsten werde man »am Leibe« oder mit »Landesverweisung« bestraft. Zweimal jährlich sollten alle Feuerstätten, Brunnen und Schwemmen inspiziert werden. Gerichtsherren und dem Adel war es freigestellt, sich diesem  Dekret anzuschließen.

Die älteste Überlieferung einer Feuersbrunst in Gotha stammt aus dem Jahre 1207. Das Feuer soll so stark gewütet haben, dass man hinterher vom Erfurter Tor bis zum Sundhäuser Tor sehen konnte. Bedenkt man die Größe der Ortschaft, so wird fast ganz Gotha abgebrannt gewesen sein. In den nächsten Jahrhunderten vergrößert sich die Einwohnerzahl Gothas auf ca. 6000, die Stadt besitzt vier Stadttore, nachts werden die Gassen nur bei anwesender Landesfürstlichkeit mit Fackeln beleuchtet.

Ein Großfeuer durch Unachtsamkeit am 31. Oktober 1545 vernichtet 150 Häuser, 190 volle Scheunen und 300 Ställe. Über Personenschaden sind keine Angaben vorhanden.
Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen (1503-1554) verfügt in der Folgezeit, Gebäude innerhalb der Stadt hauptsächlich aus Stein zu bauen und die Scheunen vor die Stadtmauern zu verlegen, wobei es wohl Schwierigkeiten in der Durchsetzung gibt. Die Festung Grimmmenstein (bis dahin sein Wohnsitz) wird im Zusammenhang mit den »Grumbach´schen Händel« 1567 zerstört.

1632 werden bei einem Großfeuer in der Stadt 380 Wohnhäuser, 187 Brauhöfe, 10 Gasthöfe, 14 Backhäuser, 300 Ställe, 176 Scheunen und ein Teil des Rathauses zerstört. Der 30-jährige Krieg tobt bereits Jahrzehnte, als zum Frühlingsanfang 1646 innerhalb von wenigen Stunden der Stadtkern komplett abbrennt. Das Ergebnis: 154 Häuser, 108 Scheunen und 156 Ställe sind nicht mehr verwendbar, auch die Margarethenkirche wird bis auf die Außenmauern zerstört.

Nach Fertigstellung von Schloss Friedenstein im Jahr 1654 (begonnen 1643) als größte barocke Schlossanlage in Deutschlands vernichtet am 10. Juli 1665 nachts ein Großbrand den Westteil der Stadt mit ca. 300 Gebäuden. Bedenkt man, dass die Wasserversorgung über Brunnen und Bäche geradeso für die Menschen ausreichte, so bedeutete ein Großfeuer unter den damaligen Bedingungen für viele Menschen den Verlust ihrer Existenzgrundlage. Umso schlimmer war der Brand der gesamten Pfortenstraße am 6. Juni 1667. Es wurde aus diesem Grund befohlen: Wohnhäuser mindestens zwei Etagen, nach drei bis vier Gebäuden muss jeweils eine Brandmauer errichtet werden. Scheunen-Neubauten werden nur noch außerhalb der Stadtmauer genehmigt.

Sichtbarstes Zeichen aller Brände im mittelalterlichen Gotha: Die unterschiedlichen Bauformen der Türme von Schloss Friedenstein. Die Unaufmerksamkeit eines Bediensteten vernichtete am 7. Februar 1678 das gesamte Innere des östlichen Schlossturmes, so dass dieser wieder neu errichtet werden musste und eine runde Form erhielt.

Am 7. Januar 1767 vernichtet ein Feuer die alten Orangerie-Gebäude mit ihren vielen südländischen Pflanzen und Bäumen, worauf im gleichen Jahr eine neue Orangerie mit einem Kostenaufwand von 24.000 Thalern erbaut wurde und noch heute ein Teil der schönen Parkanlagen bildet.

Die Gothaer Feuerversicherungsbank gründet 1827 eine »Hilfskompanie bei Feuersgefahr«, welche aus 12 kräftigen Männern wie Zimmerleute, Maurer und Dachdecker zu bestehen und der Stadtrat diese unter der Bevölkerung auszusuchen und zu bestätigen hat. 1829 und 1830 werden zwei weitere Hilfskorps gegründet und vier Jahre später eine »Verordnung über die künftige Einrichtung der Feuerlösch- und Rettungs- Anstalt in der Residenzstadt Gotha« erlassen. Damit war die gesetzliche Grundlage für weitere Maßnahmen zur Feuerschau und der Brandbekämpfungsorganisation gegeben.

Im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jh. gibt es noch eine Vielzahl von Gebäudebränden
- Januar 1818 Tabakfabrik Arnoldi
- Januar 1838  Prinzenpalais
- 1860 Wachthaus des Schlosses und einige Mühlen
- 1862 Buchdruckerei Schwabhäuser Straße, Brand von 5 Hinterhäusern und Scheunen.

(Brand Prinzenpalais 1838)

Gemeindestatut als Grundlage

In den Ländern Bayern und Württemberg hat man sehr gute Erfolge mit einer Feuerlöschorganisation in den Kommunen. Der Mechaniker Metz aus Heidelberg gründet in Gotha ein Lösch- und ein Rettungskorps mit je 20 Leuten aus den Handwerkerinnungen.
Jedes Mitglied hat seine Ausrüstungsgegenstände selbst zu bezahlen. Trotz aller Bemühungen seitens der Stadt als auch der Mitglieder der Korps klappt das Zusammenspiel nicht. Die Einheitlichkeit im Handeln fehlt, es gibt kaum Möglichkeiten des Übens, die Löschgeräte bedürfen mehr Pflege und der gute Ruf der neu gegründeten Berliner Berufsfeuerwehr tut ihr übriges. Eine Umorganisation muss erfolgen.

Die Bürgerwehr war 1862 aufgelöst worden und nach dem Gemeindestatut vom 30. April 1864 (Grundlage für die Bildung der Gothaer Feuerwehr) muss jeder »heimatberechtigte« Mann entweder Dienst bei der Feuerwehr oder in der Grünschützenkompagnie leisten. Die Altersgrenze liegt zwischen dem 21. und 50. Lebensjahr. Es gibt geregelte Dienstpflichten, ein Ehrengericht und eine Kontrollkommission. Bereits am 8. Dezember 1864 übernimmt die bis dahin gut trainierte Feuerwehr ihren Dienst in Gotha. Die Gerätschaften aller Anstalten und Einrichtungen werden zusammengefasst und die Gerätschaften des Schlosses ebenfalls eingezogen.

Ein größerer Brand am 27. Juni 1869 in der Mönchelstraße beschädigt sieben Wohngebäude mit Nebengelassen. Im Bericht darüber wird festgehalten, dass nur durch die sehr gute Arbeit der Feuerwehr der Schaden so gering gehalten werden konnte und eine Menge Bürger dieses mit einer größeren Spende für die Unterstützungskasse der Feuerwehr honorierte.

Am 1. Januar 1873 erhielt die Stadt Gotha ihr neues Wasserwerk, mit dem gleichzeitig 135 Hydranten verbunden waren und ein Druck von 6 bar die notwendige Wasserversorgung wesentlich vereinfachte. Die Vergrößerung der Stadt machte die Installation elektrischen Feuermeldeanlage notwendig, ein Fortschritt mit ungeahnten Möglichkeiten. Vom Rathaus strahlenförmig ausgehend waren 12 Feuermelder mit der Polizeistation verbunden. Trotz bester Technik treten jedoch Probleme besonders im Winter auf. Beispiele:

27. Januar 1901, gegen 3 Uhr brennt die alte Sternwarte auf dem Seeberg ab, die Feuerwehr wird erst nach zwei Stunden alarmiert, bei - 22 °C ist eine Wasserförderung unmöglich

23. Januar 1904, 5 Brände sind bei -15 °C drei Tage lang zu bekämpfen, wobei ca. 8,5km Schläuche verlegt werden müssen


Die Feuerwehr Gotha

Ein Feuerwehrverein in heutigem Sinn wird nur in der Festschrift zur 50-Jahr-Feier 1914 erwähnt. In Unterlagen zur Durchführung der »8. Thüringer Verbandstagung in Gotha mit großen Festumzug und einer Ausstellung« bleibt die Verbandsarbeit unberücksichtigt.

Aus der Gothaer Feuerwehr treten Persönlichkeiten wie Branddirektor Eberhardt und Herold hervor, welche durch ihre Einsatzbereitschaft, ihrem Organisationstalent und ihrer Weitsicht die Feuerwehr zu dem machen, was der Bürger auch heute noch von ihr erwartet.

Zu den 2 Mannschaftswagen und 2 Hydrantenwagen kommt im Jahr 1900 eine 20 m-Leiter hinzu.
Die Schläuche werden auf die bekannten Giersbergkupplungen umgestellt. Das neuzeitliche Telegrafensystem ermöglicht eine Erweiterung auf 13 öffentliche telegrafische, 5 öffentliche und 23 private Feuermeldestellen. Die Alarmierung bei Bränden in der Stadt und auf dem Land durch verschiedenzahlige Kanonenschüsse vom Schloss Friedenstein aus kann bereits 1893 abgeschafft werden.

(Motorspritze 1912)

Im Jahre 1906 bildet die Feuerwehr eine eigene Feuerwehr-Sanitätsabteilung und 1907 werden Rauchschutzapparate vornehmlich gegen Ammoniak-Dämpfe aus der Industrie angeschafft.
Eine Vielzahl von Feuerwehrkameraden wird auf dem Gothaer Luftschiffhafen eingesetzt, damit die Zeppeline ordentlich starten und landen können.

 

(FMAZ Pfortenstraße 1920)


Gothas Feuerwehr ab 1933

Am 18. Dezember 1936 wird der Thüringer Landesfeuerwehrverband e.V. durch Beschluss des Thüringer Innenministeriums aufgelöst. Die kommunalen Feuerwehren werden den Ortspolizeiverwaltungen unterstellt und als »Feuerlöschpolizei« bezeichnet. Ein erneuter Versuch der Neubildung des Landesfeuerwehrverbandes am 24. Februar 1937 mit Sitz in Weimar hält nur zwei Jahre, die Zschachenmühle geht in Rechtsträgerschaft der Thüringer Landesbrand-Versicherungsanstalt Gotha über. Eine neue Schule musste gebildet werden und es entsteht die Provinzial-Feuerwehrschule Heyrothsberge bei Magdeburg. Ein Lehrer kam aus Gotha: Branddirektor Hatzky.


Während der Zeit 1939-1945 sind die Feuerwehren den Luftschutzverbänden angegliedert.
Die wenigen Kameraden in den Städten und Gemeinden haben aufgrund fehlender, konfiszierter oder mängelbehafteter Fahrzeuge und Gerätschaften keine Chance, ihren Aufgaben bei einem Brand gerecht zu werden.

(Feuerwache Pfortenstraße 1938)

Eindrucksvollstes Beispiel der Hilflosigkeit der Gothaer Bürger bei einem Brand ohne Feuerwehr und Löschgeräte ist die Zerstörung des Landestheaters am Arnoldiplatz am 3. April 1945. Spendenaktionen und andere Aktivitäten vieler Gothaer Bürger hatten in der Folgezeit keine Aussicht auf Erfolg und so wurde das Theater 1958 abgerissen.

(Theaterruine 1958)

Neuanfang 1945

Der letztenLuftangriff der US-Army auf die Innenstadt Gothas zerstört auch die Feuerwache in der Pfortenstraße / Ecke Gartenstraße. Die behelfsmäßige Unterbringung erfolgt in der Lucas-Cranach-Schule am oberen Hauptmarkt. Unter Leitung des deutschen Stadtkommandanten Joseph Ritter von Gadolla kapituliert Gotha einen Tag später und kann der US-Army übergeben werden. Ritter Joseph von Gadolla wird wegen Befehlsverweigerung zum Tode verurteilt und am 5. April 1945 in Weimar standrechtlich erschossen. Er ist heute postum Ehrenbürger der Stadt Gotha.

Brandmeister Arno Ziegler, seit 37 Jahren Mitglied der Feuerwehr, ist einziger hauptamtlicher Feuerwehrmann und Chef der zu gründenden Berufswehr im Jahr 1945. Ihm zur Seite steht bis 1949 Bezirksbrandmeister Werner Conrad. Danach übernehmen folgende Kameraden die Leitung der Gothaer (Berufs)Feuerwehr:
- bis 1957 Kam. Arno Schmidt
- bis 1963 Kam. Waldemar Hobert, danach kurze Zeit Kam. Heckmann

- bis 1964 Kam. Siegfried Ulrich
- bis 1969 Kam. Alfred Lux
- bis 1983 Kam. Dieter Gursky
- bis 2013 BOAR Klaus-Jörg Knobloch
- ab 2013 BAR Andreas Ritter

Die Gothaer Feuerwehr in der DDR

Bereits in den 1930er Jahren gab es Pläne für eine moderne Feuerwache auf dem alten Busbahnhof, finanzielle Schwierigkeiten vor und nach dem 2. Weltkrieg verhindern notwendige Projekte. Zu Beginn des Jahres 1955 übernimmt jedoch die städtische Berufswehr als Teil des VP-Kreisamtes im Ministerium des Innern nach zwei Jahren Bauzeit die neue Feuerwache in der Oststraße 33.

(Feuerwache Oststraße 1956)

Mit ihr verbessern sich die technischen Voraussetzungen und die Bedingungen für die Kameraden im 24-Std.-Dienst:
- moderne Feuermelde - und Alarmzentrale mit angeschlossenen 86 Feuermeldern
- 1 LF 15 in Sperrholzbauweise
- 1 LF 25 »Mercedes - Benz«
- 1 27 m-Drehleiter »Magirus - Deutz«
- 1 LF 15 Typ »H3A«
- 1 Zughilfswagen »Phänomen«
- 1 G5-Tankwagen mit Vorbaupumpe (bis 1968 im Einsatz)

(Fuhrpark 1964)

Ab 1. Mai 1969 werden aus den Kommando-Stellen eigenständige Freiwillige Wehren mit folgenden Wehrleitern:
- Gotha-Ost: Kamerad Klaus Hof
- Gotha-Siebleben: Kamerad Heiner Ulrich
- Gotha-West: Kamerad Peter Lucas
- Gotha-Sundhausen, seit Eingemeindung 1974: Kamerad Jürgen Conrad
Leiter des Wirkungsbereiches Gotha bis 1989: Kamerad Manfred Benkel.

(Einsatzübung Schloss Friedenstein 1953)

1960 entsteht die erste Arbeitsgemeinschaft »Junge Brandschutzhelfer« in der DDR in der Nachbargemeinde Wechmar. Sogleich bilden sich auch in den anderen Ortschaften (1961 in Sundhausen) gleichartige Arbeitsgemeinschaften und ein Jahr später wird der erste Kreisausscheid zwischen vier Gruppen durchgeführt. Einige Einsatzleiter, Wehrführer, Vereinsvorsitzende oder Angehörige einer Berufsfeuerwehr sind aus den Reihen dieser Arbeitsgemeinschaften hervorgegangen.

Am 1. Mai 1960 wird durch die Kreiskatastrophenkommission festgelegt, dass z. B. in Gotha-Sundhausen alle männlichen Bürger zwischen 18 Jahren und 60 Jahren der Aufräumungspflicht bei Katastrophen nachkommen müssen. 1962 beschließt der Rat der Stadt Gotha, für die FF Gotha-Ost ein Gerätehaus mit Wohnung und Schulungsraum zu bauen. Letztere hatte ihre Gerätschaften bis dahin in einer alten Ziegelei in der Friemarer Straße untergestellt. Der FF Siebleben, seit 1939 Ortsteil von Gotha, kann im Jahr 1969 ein Gerätehaus und einen Schulungsraum übernehmen, gleiches gilt 1974 für die Freiwillige Feuerwehr in Sundhausen.

(Einsatzübung mit Sprungtuch 1964)

Zum Wirkungsbereich Gotha gehören zu Beginn der 1970er Jahre außer den vier FF eine Vielzahl betrieblicher Feuerwehren mit ihren Löschfahrzeugen:
- VEB Gummiwerke Thüringen
- VEB Kraftfahrzeugwerk Gotha
- VEB Spanplattenwerk Gotha
- VEB Fahrzeugachsen Gotha
- VEB RAW Gotha
- VEB Jenapharm

Ein besonderes Merkmal zur Verbesserung des Brandschutzes sind die staatlich vorgegebenen Brandschutzkontrollen im privaten Wohnbereich vor Beginn jeder Heizperiode oder die Kontrollen in den Betrieben in der »Woche der Winterbereitschaft«. Sie forderten von den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren hohes persönliches Engagement. Unterstützung finden sie durch die Feuerwehrangehörigen in den betrieblichen Feuerwehren der Stadt. Letztere sind technisch gut ausgerüstet, haben die nötige Kenntnis besonderer Gefahrenstellen in ihrem dienstlichen Umfeld und können so bei größeren Einsätzen die Berufsfeuerwehr personell gut unterstützen. Die Brandschutzkontrollen erfordern sicheres Fachwissen, Einfühlungsvermögen bei der Diskussion mit dem Bürger bei Mängeln und vor allem Beharrlichkeit. Nicht immer ein leichter Wochenenddienst.

(Einsatzübung am Rathaus 1964)

Eine Möglichkeit, die Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren in Theorie und Praxis einheitlich und aktuell durchzuführen, ist die Mitarbeit in den Wirkungsbereichen. Für Gotha besteht der Wirkungsbereich im Jahr 1983 aus den vier örtlichen Freiwilligen Feuerwehren und 30 betrieblichen Freiwilligen Feuerwehren, wobei die Feuerwehren des VEB Kraftfahrzeugwerk, VEB Spanplattenwerk, VEB Thüringer Gummiwerke, VEB Fahrzeugachsen, VEB RAW Gotha, VEB Jenapharm oder der VEB Kraftverkehr mit ihren modernen Löschfahrzeugen wesentlichen Anteil an der Bekämpfung von Großbränden hatten.

Ohne besondere Auffälligkeit, aber mit besonderen Aufgaben betraut, führen die Brandschutzzüge im Rahmen der Zivilverteidigung ihre Übungen auf Kreisebene durch. Brandschutzzüge bestehen aus Kameraden, welche nicht der Wehrpflicht unterliegen oder die Altersgrenze für den Reservistendienst überschritten haben. Diese Kameraden sollen im Fall eines Großschadenereignisses die Maßnahmen der Zivilverteidigung mit feuerwehrtechnischen Mitteln unterstützen. Jährlich werden spezielle Übungen durchgeführt und das Zusammenspiel der Feuerwehren überörtlich und unter extremen territorialen Bedingungen geprobt.

Generell wird dem OTS (Operativ Taktisches Studium) besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Berufsfeuerwehr inspizieren Objekte mit besonderer Brandgefährdung bzw. Gefahr für Personen, z. B. medizinische Einrichtungen, Kultureinrichtungen, Kindergärten und Schulen, Warenhäuser, Betriebe mit hohem Brandrisiko (z. B. Holzverarbeitung) usw. In dieses OTS werden auch die Freiwilligen Feuerwehren mit einbezogen, haben sie doch das nötige Personal für Evakuierung und/oder Brandbekämpfung. Heute hat sich nichts an der Notwendigkeit des vorbeugenden Brandschutzes geändert, die Einsatzpläne können über moderne Computertechnik abgerufen werden. An dieser Stelle muss auch auf die Bedeutung der Leitstelle des Landkreises Gotha verwiesen werden. Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisieren und überwachen die Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst. Ihr fachliches Wissen und ihre Festlegungen nach einer Alarmierung sind oft entscheidend für den wirkungsvollen Einsatzablauf. Trotz vieler digitaler Hilfs- und Kommunikationsmittel trägt der Mensch die Verantwortung.

(Feuerwache Oststraße 1988)

Ab 1990 werden die betrieblichen Freiwilligen Feuerwehren (bis auf Ausnahmen) aufgelöst und der Fahrzeug- und Gerätepark teilweise von den örtlichen Freiwilligen Feuerwehren übernommen. Neu organisiert werden muss auch die überörtliche Hilfe bei Großschadensereignissen, bei denen der Katastrophenschutz (KS), das Technischen Hilfswerk (THW) und der Gefahrgut-Zug (GGZ) des Landkreises eine wichtige Rolle spielen. Auch der medizinische Rettungsdienst ist stets integriert.

(Brand Kerzenfabrik 1999)

Frauen in der Feuerwehr

Eine Feuerwehr muss nicht nur aus männlichen Kameraden bestehen. Auch Frauen und Mädchen haben immer eine aktive Rolle gespielt wenn es darum geht, die Arbeit in einer Feuerwehr interessant zu gestalten. Wenn neuere Regelungen die Feuerwehrfrau nicht direkt am Einsatz teilnehmen lässt, so gibt es eine Menge anderer wichtiger Tätigkeiten wie Brandschutzkontrollen, medizinische Hilfeleistungen, Sicherheitswachen oder evtl. technische Hilfestellungen in der Gruppe. Bereits am 21. Februar 1975 gründet sich in der FF Gotha-Ost eine Frauenlöschgruppe, welche auch an sportlichen Wettkämpfen teilnahm.

 

(Wettkampf 1970)

Die politische Wende 1990

Im Laufe des Jahres 1989 gibt es Anzeichen, die Feuerwehren entgegen ihres humanistischen Anliegens - Rettung von Menschen und Sachwerten vor Gefahren - gegen mögliche Demonstranten einzusetzen. Durch die Volkspolizei, Hauptabteilung Schutzpolizei, in Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung Feuerwehr im Ministerium des Inneren werden Weisungen erlassen, Tanklöschfahrzeuge mit Schutzgittern und Prallblechen zu versehen, um sie vor Steinwürfen zu schützen. Die Feuerwehrfahrzeuge sollen als Wasserwerfer zur Auflösung von Demonstrationen eingesetzt werden.

Breits im November 1989 wurden erste offizielle Kontakte zur Berufsfeuerwehr Salzgitter als Gothas Partnerstadt hergestellt. Der Austausch von Feuerwehrleuten, die Unterstützung in der Neuorganisation der Feuerwehr, die Ausbildung gemeinsam mit dem DRK-Rettungsdienst durch die Berufsfeuerwehrleute der Stadt Salzgitter, die Unterstützung der Berufsfeuerwehr Gotha durch umfangreiche Technikzuführungen aus dem Bestand der Feuerwehr Salzgitter bestimmten diese Zeit.

Aufgrund der ungewissen sozialen Situation und der Vorruhestandsregelungen sinkt die Einsatzstärke der Feuerwehr Gotha auf ein bedrohliches Minimum herab, die Einsatzbereitschaft gerät in Gefahr. Mit Beschluss 24/07/90 der Stadtverordnetenversammlung vom 16. August1990 wird die Feuerwehr Gotha zum 01. September 1990 kommunalisiert und am 12. Dezember 1990 die Satzung über die Feuerwehren der Stadt Gotha durch die Stadtverordnetenversammlung verabschiedet. Gleichzeitig wird die Gründung des Stadtfeuerwehrverbandes Gotha e.V. vorbereitet, dem auch die Berufsfeuerwehr angehört.

(Treffen Feuerwehren Gotha und Salzgitter 2009 an der Grenze bei Ifta)

Durch die Eingemeindungen der Orte Uelleben und Boilstädt im Jahr 1994 und durch die Übernahme der Betriebsfeuerwehr der Deutschen Bundesbahn im Jahr 1998 erweitert sich die Zahl der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt auf sieben. Diese heißen FF Gotha-Ost, FF Gotha-West, FF Gotha-Siebleben, FF Gotha-Sundhausen, FF Gotha-Uelleben, FF Gotha-Boilstädt und FF Gotha-Süd (ehemalige Betriebsfeuerwehr RAW).

Das Jahr 2002 steht für umfangreiche Umstrukturierungsmaßmahmen in den Freiwilligen Feuerwehren. Die Freiwilligen Feuerwehren Gotha-Ost und Gotha-West fusionierten zur FF Gotha-Stadtmitte, in die Freiwillige Feuerwehr Gotha-Siebleben wird die FF Gotha-Süd integriert. Weiterhin werden die nunmehr fünf Freiwilligen Feuerwehren in zwei Löschzüge zusammengefasst. Den 1. Löschzug bilden die FF Gotha-Stadtmitte und FF Gotha-Siebleben, den 2. Löschzug bilden die FF Gotha-Sundhausen, FF Gotha-Uelleben und FF Gotha-Boilstädt. Dies bringt bei der Verteilung von Technik und Fahrzeugen einen wichtigen und auch finanziellen Vorteil für die Stadt mit sich, da durch die Zusammenführung von Einsatzmitteln und -kräften nicht jede Feuerwehr alles vorhalten muss.

(Feuerwehren der Partnerstädte zur 150 Jahrfeier 2014)

Ausbildung

Die Feuerwehrangehörigen haben an einer regelmäßigen Ausbildung von mindestens 40 Stunden pro Jahr teilzunehmen, ohne die eine Teilnahme an Einsätzen nicht möglich ist. Vor Jahren bestand Schulungsmaterial hauptsächlich aus schriftlichen Unterlagen, Tafel und Kreide waren normal. Inzwischen hat sich durch den Einsatz digitaler Medien viel geändert. Beamer und Laptop sind Bestandteil jeder Schulung in den Gerätehäusern und bieten eine Menge Möglichkeiten der Wissensvermittlung. Dabei hilft auch der Zugriff auf Fachinhalte mittels Internet. Videos und standardisierte Powerpoint-Vorträge, selbst erstellte »Filmchen« von echten Einsätzen machen den Unterricht anschaulich.

Gothas Feuerwehren nutzen für Spezial-Ausbildungen die Atemschutzstrecke in Walterhausen, Schlauchturm, Gefahrgut-Wechselcontainer, ausgemusterte KFZ, Flüssigkeitsbehälter-Attrappe. Die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule (LFKS) in Bad Köstritz bietet zusätzlich Brandcontainer, Übungsgebäude und Spezialtechnik. Diese Übungsabschnitte sind sehr anspruchsvoll, erfordern ein hohes Maß an körperlichem Einsatz und fachlichem Wissen.

Fahrzeug- und Gerätebestand (Auswahl)

Die Feuerwehr Gotha ist im Besitz von 26 Lösch- und Sonderfahrzeugen. Hinzu kommen Anhänge- und Gerätefahrzeuge, ein System mit Abrollbehältern sowie historische Fahrzeuge, die zuvor im Einsatzdienst der Stadt Gotha waren. Sie werden durch die Kameraden liebevoll gepflegt und restauriert.

(Tag der offenen Tür 2014)

Die Feuerwehr-Ausrüstung stellt eine hohe Investition dar. Vor allem die ständige Gewährleistung der Einsatzbereitschaft der persönlichen Ausrüstungsgegenstände ist wichtig, da nur eine geprüfte, angepasste, vollständige und saubere Einsatzbekleidung die Sicherheit der Einsatzkräfte garantiert. Früher nahmen die Kameraden ihre Bekleidung oft zum Waschen mit nach Hause, heute ist dieses aus Gründen der Hygiene und Imprägnierung nicht mehr zulässig. Eine spezielle Waschmaschine in der Feuerwache übernimmt diese Aufgabe. Ebenso unterliegt die Atemschutzausrüstung einer ständigen fachgerechten Kontrolle, Reparatur und Pflege.

Die Stadt Gotha stellt jährlich größere Geldmittel für den Ersatz von KFZ, Gerätschaften und Ausrüstungen bereit. Es gibt aber auch unkalkulierbare Situationen, die eine kurzfristige Lösung erfordern.

1 HLF 20/16 AT
1 TLF 24/50 Tanklöschfahrzeug
1 TLF 16/25 Tanklöschfahrzeug
1 TLF 16/24Tr Tanklöschfahrzeug
1 LF 16/12 Löschfahrzeug
2 LF 8/6 Löschfahrzeug
1 DLK 23-12 nB CC Drehleiter (Korb)
1 GW-Mess Gerätewagen Messung
1 WLF Wechselladerfahrzeug mit Ladekran
4 Abrollsysteme
 - 1 AB GWG 3 (Gefahrgut Typ 3),
    (Bestandteil Gefahrgutzug LK Gotha)
 - 1 AB Schlauch, 2000 m
 - 1 AB Rüst
 - 1 AB Schuttgutmulde
1 GW-L Gerätewagen Logistik
1 KLF-Th Kleinlöschfahrzeug Thüringen
1 RW 1 Rüstwagen Typ 1
2 KdoW Kommandowagen
1 KEF Kleineinsatzfahrzeug
1 Boot
3 TSA Tragkraftspritzenanhänger (TS8/8)
2 NGA Notstrom-Generatoranhänger
1 VTA Transportanhänger mit tragbarem Ventilator
1 PG 210 Pulverlöschgerät (210 kg)
5 MTW Mannschaftstransportwagen (Kleinbusse)
1 TA CO2 (4 Druckflaschen C02-Löschgas)
1 Rettungszelt AZ 24
2 Wasserwerfer


Verfasser: Wolfgang Conrad, FF Gotha-Stadtmitte

Impressum

Stadtverwaltung Gotha
Amt für Brandschutz
Oststraße 33
99867 Gotha

Telefon: 03621 222 560

Telefax: 03621 222 565

E-Mail: brandschutzamt@gotha.de

Ansprechpartner: Leiter Amt für Brandschutz

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