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Die Geschichte der Feuerwehr Gotha PDF Drucken E-Mail

Bild: Brand des Prinzenpalais am 26.01.1838

Die nachfolgende Chronik zur Entstehung und Entwicklung der Gothaer Feuerwehr wurde aus den Festreden anlässlich der Jubiläenfeiern 1994 und 2004 (140-Jahr-Feier) zusammengestellt.

Es wird aus Zeitgründen auf eine generelle Neuzusammestellung der Historie verzichtet, da auch die FF der Gothaer Ortsteile Siebleben und Uelleben eigene Internetseiten besitzen und dort ihre Geschichte dargestellt haben.

Wer sich mit der Erarbeitung von Chroniken schon beschäftigt hat wird wissen, wie aufwändig dieses ist.
Zudem ist man als Autor immer in der Zwickmühle, entweder zu genau (und damit zu umfangreich - dann liest es keiner) oder zu allgemein Ereignisse zu beschreiben.

Lassen Sie sich als Leser darum einfach ein bisschen informieren. 
Die Festschrift zur 50-Jahr-Feier 1914 der Gothaer Feuerwehr war der Grundstock für zukünftige Niederschriften.
Auch wurde im Bestand des Thüringischen Staatsarchivs in Gotha in Originalunterlagen recherchiert und das Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde (beide im Schloss Friedenstein) konnte dank einer umfangreichen Fotothek das Bildmaterial ergänzen.
Im ersten Teil dieser Chronik wird vorrangig die Zeit bis 1994 dargestellt, danach sind die wichtigsten Ereignisse in der Broschüre zur 140-Jahr-Feier im April 2004 als PDF-Datei enthalten.

Um Internetnutzern mit analogem Anschluss die Möglichkeit des Kopierens zu ermöglichen, wurden die Seiten einzeln als Datei erstellt. Somit verringern sich die Ladezeiten. Sollte der eine oder andere Interessierte etwas mehr erfahren wollen, einfach das Gästebuch benutzen. Das Redaktionskollektiv wird sich dann um eine Antwort bemühen.
 
In diesem Sinn soll nun etwas über die Gothaer Feuerwehr berichtet werden.    

Herzog Ernst der Fromme, bekanntester adliger Bürger der Stadt Gotha und wohl einer der bürgerfreundlichsten Landesväter des deutschen Mittelalters, veranlasste am 3.Oktober 1651 die erste Feuerordnung für die Stadt und das angrenzendes Umland.
Schriftlich wurde festgelegt, dass bei wahrgenommenem Feuer sofort »Geschrei« zu machen sei, ansonsten werde man »am Leibe« oder mit »Landesverweisung«  bestraft. Zweimal jährlich sollten alle Feuerstätten, Brunnen und Schwemmen inspiziert werden. Gerichtsherren und dem Adel war es freigestellt, sich der »Directorii« anzuschließen.
 

Die älteste Überlieferung einer Feuersbrunst in Gotha stammt aus dem Jahre 1207. Das Feuer soll so stark gewütet haben, dass man hinterher vom Erfurter Tor bis zum Sundhäuser Tor sehen konnte.
Bedenkt man die Größe der Ortschaft, so wird wohl sicher ganz Gotha abgebrannt gewesen sein.
 In den nächsten Jahrhunderten vergrößerte sich die Einwohnerzahl Gothas auf ca. 6ooo, die Stadt besaß 4 Stadttore, nachts wurden die Gassen nur bei anwesender Landesfürstlichkeit mit Fackeln beleuchtet.

 Am 31.Oktober 1545 entstand durch Unaufmerksamkeit ein Großfeuer, welches 150 Häuser, 190 volle Scheunen und 300 Ställe vernichtete. Über Personenschaden sind keine Angaben vorhanden.
Kurfürst Johann Friedrich verfügte in der Folgezeit, Gebäude innerhalb der Stadt hauptsächlich aus Stein zu bauen und die Scheunen vor die Stadtmauern zu verlegen, wobei es wohl in der Durchsetzung Schwierigkeiten gab.
 
Die Festung Grimmmenstein war im Zusammenhang mit den »Grummbach´schen Händel« 1567 von der feindlichen Armee zerstört, die Gothaer Herzöge wohnten seitdem im oberen Teil des Kaufhauses, dem heutigen Rathaus.1632 wurden bei einem Großfeuer in der Stadt 380 Wohnhäuser, 187 Brauhöfe, 10 Gasthöfe, 14 Backhäuser, 300 Ställe, 176 Scheunen und ein Teil des Rathauses zerstört.
Bedenkt man die Tatsache, dass der 30-jährige Krieg bereits schon fast zwei Jahrzehnte tobte und die Neuerrichtung der Stadt bestimmt sehr langsam vorwärts ging, so ist es wohl kaum vorstellbar, wie den Gothaer Bürgern zumute war, als zum Frühlingsanfang 1646 innerhalb von knapp drei Stunden der Stadtkern ein Opfer der Flammen wurde. Dabei wurde auch die Margarethenkirche bis auf die Außenmauern zerstört.
Trauriges Ergebnis: 154 Häuser, 108 Scheunen und 156 Ställe waren nicht mehr verwendbar.
 Während das Schloss Friedenstein 1647 als größte barocke Schlossanlage in Deutschland fertiggestellt war und Herzog Ernst der Fromme um eine Verbesserung der sozialen Bedingungen der Bürger bemüht war, vernichtete am 10. Juli 1665 nachts 1 Uhr ein Großbrand den Westteil der Stadt mit ca. 300 Gebäuden.
Man vergisst aus heutiger Sicht oft, dass die Wasserversorgung geradeso für die Menschen ausreichte, ein Großfeuer unter den damaligen Bedingungen bedeutete gewiss für viele Menschen den Verlust ihrer Existenzgrundlage.

 Am 6. Juni 1667 brennt die gesamte Pfortenstraße ab. »Vor dem Schaden klug sein« war das geistige Ergebnis der herzoglichen Regierung nach diesem Ereignis und es wurde befohlen:
Wohnhäuser mindestens zwei Etagen, nach drei bis vier Gebäuden musste jeweils eine Brandmauer errichtet werden.
Scheunen-Neubauten wurden nur noch außerhalb der Stadtmauer genehmigt.
 

Sichtbarstes Zeichen aller Brände in Gotha ist heute noch deutlich: Die Bauform des südöstlichen Turmes von Schloss Friedenstein.
Die Unaufmerksamkeit eines Dieners vernichtete am 7. Februar 1677 das gesamte Innere des Schlossturmes, so dass dieser wieder neu errichtet werden musste. Dieser Umstand macht wohl die Einzigartigkeit des Gothaer Wahrzeichens aus.

Am 7. Januar 1767 vernichtet ein Feuer die alte Orangerie (Gebäude) mit ihren vielen südländischen Pflanzen und Bäumen, worauf im gleichen Jahr eine neue Orangerie mit einem Kostenaufwand von 24 000 Thalern erbaut wurde und noch heute ein Teil der schönen Parkanlagen bildet. 
Wie in der zur Verfügung stehenden Literatur immer wieder hingewiesen wird, gab es eine Menge Schwierigkeiten sowohl in der Brandbekämpfung als vor allem in der Durchsetzung von Verordnungen. Beispiele dafür sind die sogenannte »Circular« -Verordnung über die Anwendung von »Löschwischen«, die Verordnung der zur Verfügung zu stellenden »Landschlangenspritze« bei Bränden auf dem Lande und die Verordnung zum Verbot von Fittichziegeln mit untergesteckten Strohwischen (was immer das heute auch im Konkreten bedeuten mag). 

Andere Wege mussten beschritten werden und die hiesige Feuerversicherungsbank gründete 1827 eine »Hilfskompanie bei Feuersgefahr«, welche aus 12 kräftigen Männern wie Zimmerleuten, Maurern und  Dachdeckern zu bestehen hatte und der Stadtrat diese unter der Bevölkerung auszusuchen und zu bestätigen hatte. 
1829 und 1830 werden zwei weitere Hilfskorps gegründet und vier Jahre später eine »Verordnung über die künftige Einrichtung der Feuerlösch- und Rettungs- Anstalt in der Residenzstadt Gotha« erlassen.
Damit war die gesetzliche Grundlage für weitere Maßnahmen zur Feuerschau und der Brandbekämpfungsorganisation gegeben.


Foto: Mannschaft der Feuerwehr Gotha 19Jh.

Im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jh. gab es noch eine Vielzahl von Gebäudebränden, wie z. B.:
- Januar 1818 die Tabakfabrik der Kaufleute Arnoldi  und Bühner in der Remstädter Straße,
- im Januar des Jahres 1838 ein Großbrand im oberen Teil des Prinzenpalais,
- 1860 das Wachthaus des Schlosses  und  einige Mühlen,
- 1862 eine Buchdruckerei in der Schwabhäuser Straße und im gleichen Jahr dort ein Brand mit 5 Hinterhäusern nebst Scheunen. 

In den südlichen Ländern wie Bayern und Württemberg  hatte man sehr gute Erfolge mit einer Feuerlöschorganisation in den Kommunen und nach und nach gab es viele Nachahmer.
Der Mechaniker Metz aus Heidelberg gründete in Gotha ein Lösch- und ein Rettungskorps mit je 20 Leuten aus den Handwerkerinnungen.
Jedes Mitglied hatte seine Ausrüstungsgegenstände selbst zu bezahlen. Aber trotz aller Bemühungen von Seiten der Stadt als auch der Mitglieder der Korps war das Zusammenspiel nicht das, was man sich so vorgestellt hatte. Die Einheitlichkeit im Handeln fehlte, es gab kaum Möglichkeiten des Übens, die Löschgeräte bedurften mehr Pflege und der gute Ruf der neu gegründeten Berliner Berufsfeuerwehr tat ihr übriges.
Eine gänzlich neue Umgestaltung musste her.
 

DAS GEMEINDESTATUT VOM 30. APRIL 1864 WAR DIE GRUNDLAGE DER BILDUNG DER GOTHAER FEUERWEHR.
 Die Bürgerwehr war 1862 aufgelöst worden und nach dem  neuen Statut musste jeder »heimatberechtigte« Mann entweder Dienst bei der Feuerwehr oder in der Grünschützenkompagnie leisten. Altersgrenzen lagen beim 21. und 50 Lebensjahr. Es gab geregelte Dienstpflichten, ein Ehrengericht und eine Kontrollkommission unter Leitung des Geheimen Staatsrates Mönich. 
Bereits am 8. Dezember 1864 übernahm die bis dahin gut trainierte Feuerwehr ihren Dienst in Gotha auf.
Die Gerätschaften aller Anstalten und Einrichtungen wurden zusammengefasst, die bis dahin auch bestehende Herzogliche Immediat-Kommission des Schlosses aufgelöst und deren Gerätschaften ebenfalls eingezogen.
Startkapital an Materialien: 8157 Thaler !
 

Ein größerer Brand in der Mönchelstraße am 27. Juni 1869 beschädigte sieben Wohngebäude einschl. ihrer Nebengelasse.
Im Bericht darüber wird festgehalten, dass nur durch die sehr gute Arbeit der Feuerwehr der Schaden so gering gehalten werden konnte und eine Menge Bürger dieses mit einer größeren Spende für die Unterstützungskasse der Feuerwehr honorierte !
 

Am 1. Januar 1873 erhielt die Stadt Gotha ihr neues Wasserwerk, mit dem gleichzeitig 135 Hydranten verbunden waren und ein Druck von 6 bar die notwendige Wasserversorgung wesentlich vereinfachte.
Die Vergrößerung der Stadt machte die Installation elektrischen Feuermeldeanlage notwendig, ein Fortschritt mit ungeahnten Möglichkeiten. Vom Rathaus strahlenförmig ausgehend waren 12 Feuermelder mit der Polizeistation verbunden.
 
Trotz bester Technik treten Probleme besonders im Winter auf und der Erfolg der Brandbekämpfung ist wesentlich geprägt vom persönlichen Einsatz der Feuerwehrleute. Beispiele wären zu nennen:
- 27. Januar 1901 ca. 3 Uhr brennt die alte Sternwarte auf dem Seeberg ab, da die Feuerwehr erst nach 2 Stunden alarmiert wird und bei minus 22 Grad Celsius eine Wasserförderung  unmöglich ist.
- Ab dem 23. Januar 1904 waren fünf Brände bei -15 °drei Tage lang zu bekämpfen, wobei ca. 8,5 km Schläuche verlegt werden mussten. 
Ein Feuerwehrverein in heutigem Sinn wird nur in der Festschrift zur 50-Jahr-Feier erwähnt.
Nachforschungen zum Gründungstag am 1. Oktober 1872 hatten bisher keinen Erfolg.
Auch Unterlagen zur Durchführung der 8. Thüringer Verbandstagung in Gotha »mit großen Festumzug und einer Ausstellung« lassen die Verbandsarbeit völlig unberücksichtigt.
 Im Laufe der Geschichte der Gothaer Feuerwehr gab es hervorragende Persönlichkeiten, welche durch ihre Einsatzbereitschaft, ihrem Organisationstalent und ihrer  Weitsicht die Feuerwehr zu dem machte, was der Bürger auch heute noch von ihr erwartet.
Hier einige Namen:
Branddirektor Eberhardt, die Herren Weber, Mönch und Lotze. Lezterer übernahm ab 1878 das Kommando, 1889 der Ingenieur Meurin und ab 1895 der Bauassistent Wangemann. 

Zu den 2 Mannschaftswagen und 2 Hydrantenwagen gesellte sich im Jahr 1900 eine 20 m-Leiter.
Die Schläuche wurden auf die bekannten Giersbergkupplungen umgestellt.
Das neuzeitliche Telegrafensystem ermöglichte eine Erweiterung  auf 13 öffentliche telegrafische, 5 öffentliche und 23 private Feuermeldestellen.
Die Alarmierung bei Bränden in der Stadt und auf dem Land durch verschiedenzahlige Kanonenschüsse vom Schloss Friedenstein aus konnte bereits 1893 abgeschafft werden (die Alarmkanone ist heute im Schlosshof ausgestellt.
 

Im Jahre 1906 bildete die Feuerwehr eine eigene Feuerwehr-Sanitätsabteilung und 1907 wurden Rauchschutzapparate vornehmlich gegen Ammoniak-Dämpfe aus der Industrie angeschafft.

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass eine Vielzahl von Feuerwehrkameraden auf dem bekannten Luftschiffhafen eingesetzt wurden, damit die Zeppeline ordentlich starten und landen konnten!


Foto: Fernmeldezentrale der Gothaer Feuerwehr um 1920 in der Pfortenstraße

Machen wir einen Sprung in die Zeit vor dem 2. Weltkrieg.Am 15. März 1933 fand die Einweihungsfeier der Ausbildungsstätte Zschachenmühle statt.


Foto: Drehleiterfahrzeug der Gothaer Feuerwehr 1933

Hier konnte ein Gothaer Feuerwehrmann als Lehrer würdig vertreten: Branddirektor Hatzky. 
Am 18. Dezember 1936 wurde der Thüringer Landesfeuerwehrverband e.V. durch Beschluss des Thüringer Innenministeriums aufgelöst.
Die vielen Feuerwehren wurden den Ortspolizeiverwaltungen unterstellt und als »Feuerlöschpolizei« bezeichnet.
Ein erneuter Versuch der Neubildung des Landesfeuerwehrverbandes am 24. Februar 1937 mit Sitz in Weimar hielt nur 2 Jahre, die Zschachenmühle ging in Rechtsträgerschaft der Thüringer Landesbrandversicherungsanstalt Gotha über.
Eine neue Schule musste gebildet werden und so entstand die damalige Provinzial-Feuerwehrschule Heyrothsberge bei Magdeburg, vielen Feuerwehroffizieren mit DDR-Studium ein Begriff!
 
Während der Zeit 1939-1945 waren die Feuerwehren den Luftschutzverbänden angegliedert.
Die wenigen Kameraden in den Städten und Gemeinden hatten aufgrund fehlender, konfiszierter oder mängelbehafteter Fahrzeuge und Gerätschaften keine Chance, ihren Aufgaben bei einem Brand gerecht zu werden.


Foto: Feuerwehr Gotha 1945 in der Pfortenstraße
 
Eindruckvollstes Beispiel der  Hilflosigkeit der Gothaer Bürger bei einem Brand ist die Zerstörung des bekannten Theaters am Arnoldiplatz am 3. April 1945 durch fehlende Löschgeräte.
Spendenaktionen und andere Aktivitäten vieler Gothaer Bürger hatten in der Folgezeit keine Aussicht auf Erfolg und so wurde das Theater 1958 abgerissen.
Übrig geblieben ist nur ein Original-Feuermelder, welcher zwar schon 1925 demontiert wurde. 
Der letzten Luftangriff der US-Army auf die Innenstadt Gothas zerstörte auch die Feuerwache in der Pfortenstraße / Ecke Gartenstraße.
Die behelfsmäßige Unterbringung erfolgte in der Lucas-Cranach-Schule am oberen Hauptmarkt. Unter Leitung des deutschen Stadtkommandanten von Gadolla kapitulierte Gotha einen Tag später und konnte der US-Army fast verschont übergeben werden (Ritter Joseph von Gadolla wurde am 5. April 1945 hingerichtet und ist heute postum Ehrenbürger der Stadt Gotha).
 
Wie aber konnten sich die Feuerwehrkameraden in einem Löscheinsatz von den anderen Bürgern unterscheiden, denn mit Uniformen war es so eine Sache?! Das Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde besitzt aus dieser Zeit eine weiße Armbinde und einen Dienstausweis. 
Brandmeister Ziegler, seit 37 Jahren Mitglied der Feuerwehr, war einziger hauptamtlicher Feuerwehrmann und Chef der zu gründenden Berufswehr.
Ihm zur Seite stand bis 1949
Bezirksbrandmeister Werner Conrad.  
Nach Werner Conrad übernahmen folgende Kameraden die Leitung der Gothaer Feuerwehr:

- bis 1957 Kam. Arno Schmidt
- bis 1963 Kam. Waldemar Hobert
- danach kurze Zeit Kam. Heckmann
- bis 1964 Kam. Siegfried Ulrich
- bis 1969 Kam. Alfred Lux 

Ab 1. Mai 1969 werden aus den Kommando-Stellen eigenständige Freiwillige Wehren mit folgenden Wehrleitern:

- Gotha-Ost: Kamerad Klaus Hof
- Gotha-Siebleben: Kamerad Heiner Ulrich
- Gotha-West: Kamerad Peter Lucas
- Gotha-Sundhausen: seit Eingemeindung 1974: Kamerad Jürgen Conrad

Leiter des gegründeten Wirkungsbereiches Gotha war bis 1989 Kamerad Manfred Benkel. 

In der Berufsfeuerwehr sind seit 1945 nach Arno Ziegler folgende Namen zu nennen:
Arno Weisheit,
Adolf Amling,
Rudi Schönberg,
Heinz Würgandt,
Gerhard Nagel,
Heinz Werner,
Otto Bartzsch,
Walter Lenzer,
Dieter Gursky,
Klaus Knobloch
 

Bereits in den 30er Jahren gab es detailierte Pläne für eine moderne Feuerwache auf dem heutigen Busbahnhof, finanzielle Löcher in der Stadtkasse waren jedoch immer größer als die Ausführung von nützlichen und vor allem notwendigen Projekten.
Aber endlich, zu Beginn des Jahres 1955, übernahm die städtische Berufswehr als Teil des VP-Kreisamtes im Ministerium des Innern  nah zwei Jahren Bauzeit die neue Feuerwache in der Oststraße 33.


Foto: Neue Feuerwache der Berufsfeuerwehr in der Oststraße 33 im Jahr 1956

Mit ihr verbesserten sich die technischen Voraussetzungen und natürlich auch die Bedingungen für die Kameraden im 24-Std.-Dienst  wesentlich:
- moderne Feuermelde - und Alarmzentrale mit angeschlossenen 86 Feuermeldern
- 1 LF 15 in Sperrholzbauweise
- 1 LF 25 »Mercedes - Benz«
- 1 27 m-Drehleiter »Magirus - Deutz«
- 1 LF 15 Typ H3A
- 1 Zughilfswagen »Phänomen«
- 1 G5-Tankwagen mit Vorbaupumpe ( bis 1968 im Einsatz ) 


Foto: Drehleiter Magirus Deutz 1956

Wie bei jedem Feuerwehrgerätehaus gehört ein Schlauchturm zum äußeren Zeichen und man konnte die Feuerwehr-Kampfsportart »Hakenleitersteigen« gut üben.

Eine Möglichkeit innerhalb der Feuerwehr wurde 1960 in Angriff genommen:
Die Bildung der ersten Arbeitsgemeinschaft »Junge Brandschutzhelfer« in der DDR in der Nachbargemeinde Wechmar. Sogleich bildeten sich auch in den anderen Ortschaften wie 1961 in Sundhausen gleichartige AG´s und bereits ein Jahr später wurde der erste Kreisausscheid zwischen vier Gruppen durchgeführt.
Mit Sicherheit  kann behauptet werden, dass so mancher Einsatzleiter, Wehrführer, Vereinsvorsitzende oder Angehörige einer Berufsfeuerwehr aus den Reihen dieser Arbeitsgemeinschaften hervorgegangen sind.
  

Bewährungsproben für die Gothaer Feuerwehr gab es in den 60er Jahren eine ganze Menge. Hier einige ausgewählte Tatbestände:

-          7. Dezember 1959: das Hinterhaus Margarethenstraße 12 brennt völlig aus
-          9. Februar 1960: Gasunfall Moßlerstraße 20, 1 Toter, 1 Verletzter
-          15. Mai 1960, 14.20 Uhr: Übernahme eines Transports von Blutkonserven indie Frauenklinik
-          23. November 1960: Transport eines Neugeborenen mit Atemstörungen aus der Frauenklinik in die Kinderklinik, da das DRK kein Fahrzeug  bereitstellen kann
-          23.-29. April 1961: HOCHWASSER in Ohrdruf, Luisenthal, Wandersleben, Wölfis, Hohenkirchen, Mühlberg, Tabarz, Fröttstedt, Laucha, Sonneborn und Waltershausen; in Teutleben und Mechterstädt werden Menschen und Tiere mit Schlauchbooten evakuiert
-          am 1. Mai 1960 wird durch die Kreiskatastrophenkommission festgelegt, dass z. B. in Gotha-Sundhausen alle männlichen Bürger zwischen 18 und 60 Jahren der Aufräumungspflicht nachkommen müssen 
1962 becchloss der Rat der Stadt Gotha, für die FF Gotha-Ost ein Gerätehaus mit Wohnung und Schulungsraum zu bauen. Letztere hatte ihre Gerätschaften bis dahin in der alten Ziegelei in der Friemarer Straße untergestellt.
Auch die FF Siebleben, der Ort wurde 1939 eingemeindet, konnte im Jahr 1969 ein Gerätehaus und einen Schulungsraum ihr eigen nennen.
Gleiches gilt für den Bau des Gerätehauses in Sundhausen seit 1974.
 
Im Wirkungsbereich Gotha waren zu Beginn der 70er Jahre außer den vier FF auch eine Menge betrieblicher Feuerwehren mit ihren Löschfahrzeugen:

-          VEB Gummiwerke Thüringen
-          VEB Kraftfahrzeugwerk
-          VEB Spanplattenwerk Gotha
-          VEB Fahrzeugachsen Gotha
-          VEB RAW Gotha
-          VEB Jenapharm 

1974 wurde auf dem ehemaligen Sportplatz in Siebleben der 1. Wirkungsbereichs-Ausscheid durchgeführt und schon 1983 nahmen bereits mehr als 30 betriebliche Wehren daran teil. Der Ausscheid bildete den Höhepunkt in der Jahresausbildung.  I

m Zeitraum 1971 / 72 wurden aufgrund des Verteidigungsgesetzes in allen Kreisen sogenannte »Brandschutzzüge« gebildet. In ihnen waren Angehörige der FF tätig, die entweder älter als 40 Jahre oder durch das Wehrkreiskommando als nicht wehrdiensttauglich bestätigt waren.
Die Aufgabe der BS-Züge war es, im Rahmen der Zivilverteidigung Maßnahmen der Brandbekämpfung durchzuführen. Jährlich gab es mindestens eine kreisgeleitete Großübung, welche zwar organisatorisch sehr aufwendig war und bestimmte Übungselemente durch ihren militärischen Charakter Antipathien hervorriefen, größere Übungen mit kilometerlangen Nachtfahrten an zu bekämpfende Feuer und anschließendem Großeinsatz in einem Industrieobjekt waren trotzdem eine interessante, abwechselungs- und erinnerungsreiche Sache.
  

Eine Feuerwehr muss nicht nur aus männlichen Kameraden bestehen. Auch Frauen und Mädchen haben immer eine aktive Rolle gespielt wenn es darum geht, die Arbeit in einer Feuerwehr interessant zu  gestalten. Wenn neuere Regelungen die Feuerwehrfrau nicht direkt am Einsatz teilnehmen lässt, so gibt es eine Menge anderer wichtiger Tätigkeiten wie Brandschutzkontrollen, medizinische Hilfeleistungen, Sicherheitswachen oder evtl. technische Hilfestellungen in der Gruppe.
Bereits am 21. Februar 1975 gründete sich in der FF Gotha-Ost eine Frauenlöschgruppe, welche auch an sportlichen Wettkämpfen teilnahm.
An dieser Stelle muss auch das große Verständnis der Partnerinnen für ihre Feuerwehrmänner hervorgehoben werden, denn ohne die moralische Unterstützung gäbe es oft keine einsatzfähige Feuerwehr (ganz abgesehen von der Hilfe beim  Waschen oder Reinigen der Bekleidung nach dem Einsatz).
  

Der Sommer 1989 leitete das letzte Kapitel der Feuerwehren in der DDR ein. Die innenpolitische und wirtschaftliche Situation spitzte sich zu. Die Staatssicherheit und die Polizei rüsteten auf. Es gab Anzeichen, dass die Feuerwehren entgegen ihres humanistischen Anliegens - Menschen zu retten - gegen diese eingesetzt werden sollten. Durch die Volkspolizei, Hauptabteilung Schutzpolizei, in Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung Feuerwehr im Ministerium des Inneren wurden Weisungen erlassen, Tanklöschfahrzeuge mit Schutzgittern und Prallblechen zu versehen, um sie vor Steinwürfen zu schützen. Der Gedanke lag nahe, dass die Feuerwehrfahrzeuge als Wasserwerfer zur Auflösung von Demonstrationen eingesetzt werden sollten. Dazu ist es glücklicherweise in Gotha nie gekommen. Die unblutige Wende in der DDR nahm eine unzumutbare Verantwortung und psychische Last von den Angehörigen der Feuerwehr. Es begann eine Zeit mit sich täglich ändernden Entscheidungen mit der Suche nach eigenen Wegen innerhalb der Feuerwehren der DDR. Immer wieder gab es Versuche von "oben", Weisungen zu erlassen. Versuche einer Gründung eines eigenen  Feuerwehrverbandes der DDR und die Erarbeitung eines neuen Brandschutzgesetztes, Forderungen nach einer Loslösung von der Vormundschaft der Polizei und nach Selbständigkeit der Feuerwehren wurden laut. Die Gothaer Feuerwehren gingen unbeirrt ihren Weg.
Breits im November 1989 wurden erste offizielle Kontakte zur Berufsfeuerwehr Salzgitter als Gothas Partnerstadt und zu den Berufsfeuerwehren Gießen und Kassel hergestellt. Der Austausch von Feuerwehrleuten, die Unterstützung in der Neuorganisation der Feuerwehr, die Ausbildung gemeinsam mit dem DRK-Rettungsdienst durch die Berufsfeuerwehrleute der Stadt Salzgitter, die Unterstützung der Berufsfeuerwehr Gotha durch umfangreiche Technikzuführungen aus dem Bestand der Feuerwehr Salzgitter bestimmten diese Zeit.
Aufgrund der ungewissen sozialen Situation und der Vorruhestandsregelungen sank die Einsatzstärke der Feuerwehr Gotha auf ein bedrohliches Minimum herab, die Einsatzbereitschaft und damit die Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Gotha gerieten in Gefahr. Mit Flugblättern machten die verbliebenen Feuerwehrleute auf diese Situation aufmerksam. Mit Erfolg! Mit Beschluss 24/07/90 der Stadtverordnetenversammlung vom 16.08.1990 wurde die Feuerwehr Gotha zum 01.09.1990 kommunalisiert.
Am 12.12.1990 wurde die Satzung über die Feuerwehren der Stadt Gotha durch die Stadtverordnetenversammlung verabschiedet. Sie war die erste in Thüringen und stellte nach einer Periode der Rechtsunsicherheit einen gesetzlichen Rahmen her.
Gleichzeitig wurde die Gründung des Stadtfeuerwehrverbandes Gotha e.V. vorbereitet, zu dem auch die Berufsfeuerwehr gehört.
Durch die Eingemeindungen der Orte Uelleben und Boilstädt im Jahr 1994 und durch die Übernahme der Betriebsfeuerwehr der Deutschen Bundesbahn im Jahr 1998 erweiterte sich die Zahl der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt auf sieben. Diese hießen FF-Gotha-Ost, FF-Gotha-West, FF-Gotha-Siebleben, FF-Gotha-Sundhausen, FF-Gotha-Uelleben, FF-Gotha-Boilstädt und FF-Gotha-Süd (ehemalige Betriebsfeuerwehr).
Das Jahr 2002 stand für umfangreiche Umstrukturierungsmaßmahmen in den Freiwilligen Feuerwehren. Die Freiwilligen Feuerwehren Gotha-Ost und -West fusionierten zur FF-Gotha-Stadtmitte im Gerätehaus der FF-Gotha-Ost und in die Freiwillige Feuerwehr Gotha-Siebleben wurde die FF-Gotha-Süd integriert, im Gerätehaus der FF-Gotha-Siebleben.
Weiterhin wurden alle Freiwilligen Feuerwehren in zwei Löschzüge zusammengefasst. Den 1.Löschzug bilden die FF-Gotha Stadtmitte und -Siebleben und den 2.Löschzug bilden die FF-Gotha-Sundhausen, -Uelleben und -Boilstädt. Dies bringt bei der Verteilung von Technik und Fahrzeugen einen wichtigen und auch finanziellen Vorteil für die Stadt mit sich, da durch die Zusammenführung von Einsatzmitteln und -kräften nicht jede Feuerwehr alles vorhalten muss. Die Freiwilligen Feuerwehren werden regelmäßig an der Technik der Berufsfeuerwehr ausgebildet und sind eine unverzichtbare Unterstützung für die BF.
Dieses System hat sich bis zum heutigen Tag bestens bewährt.

Autoren:         Wolfgang Conrad (FF-Gotha-Stadtmitte)
                       Andreas Ritter      (BF-Gotha und FF-Gotha-Uelleben)


 
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